„Op eemol war alles anescht…!”

Die Muttergottesoktave 2021 anders als sonst

„Pilgern trotz Corona!“ so lautet die Vorgabe der diesjährigen Muttergottesoktave. Wenn auch virtuelle Gottesdienstangebote in Pandemiezeiten für zahlreiche Gläubige zum Ersatz für die physische Teilnahme am Gottesdienst wurden, so können sie die echte Glaubensgemeinschaft auf keinen Fall ersetzen. „Wer glaubt, ist nie allein”, so drückte es Papst Benedikt XVI. sehr prägnant aus. Und in seiner Predigt der diesjährigen Osternacht betonte Papst Franziskus „Wer glaubt, darf nicht meinen, er wüsste schon alles, sondern muss sich von Gottes Wegen überraschen lassen.“ Der christliche Glaube ist immer der Glaube in Gemeinschaft, die sich je nach Kultur, Sprache und Sensibilität ausdrückt und verändert. Wer glaubt, braucht deshalb auch immer wieder Räume der Begegnung. Da die eigentliche Aufgabe der Kirche ihr Dienst an den Menschen ist, kann sie sich nicht mit digitalen Angeboten begnügen.

In der gegenwärtigen Krisenzeit ist sie deshalb besonders gefordert, Orte des Trostes und der Beheimatung zu eröffnen, Orte des Wallfahrens. Wer pilgert, antwortet nicht nur auf eine Tradition, sondern er sucht im gemeinschaftlichen Beten Trost und Hoffnung, Lebenshilfe. In dieser Hinsicht ist es mehr als begrüßenswert, dass in diesem zweiten Corona-Jahr in Folge, die sanitäre Lage eine hybride Marienwallfahrt ermöglicht.

Physische und digitale Teilnahme

Die Kathedrale mit dem Gnadenbild der Trösterin der Betrübten wird unter Einschränkungen vom 24. April bis zum 9. Mai 2021 für das Gottesvolk geöffnet sein. Das diesjährige Wallfahrtsprogramm bietet unterschiedliche Gottesdienstangebote und Freiräume zum Beten. Da die Teilnehmerzahl jeweils auf 100 Personen beschränkt ist, werden die Interessierten Pilgerinnen und Pilger gebeten, ihre Einschreibungen in der Woche vor Oktavbeginn zu machen. Telefonische Anlaufstellen finden sie auf cathol.lu im Oktavprogramm.

Weitere Schutzmaßnahmen sind die Desinfektion der Hände am Ein- und Ausgang der Kathedrale sowie eine strikte Maskenpflicht. Zu bemerken sei auch noch, dass der Kantorendienst nur mit begrenzter Sängerschar (12 Sänger/innen, Dirigent/in und Organist/in inklusive) möglich ist. Die Pilger betreten die Bischofskirche in der Rue Notre-Dame und verlassen sie zum Boulevard Franklin Roosevelt hin.

Die diesbezüglichen Regeln gelten sowohl für die Teilnahme an den Eucharistiefeiern als auch für andere Gottesdienste: Pontifikalandachten, katechetische Momente, Kindersegnung u.a.m. Für die übrigen Gläubigen besteht die Möglichkeit per livestream dem Wallfahrtsgeschehen digital beizuwohnen. Die täglichen Pontifikalandachten mit Predigt von Pastoralreferentin Milly Hellers sowie die Kranken- und Betagtengottesdienste am zweiten und dritten Samstag werden alle über den Dok-Fernsehkanal übertragen.

Besonderheiten

Am 1. Oktavsonntag steht ein Klavierkonzert mit der Luxemburger Pianistin Sabine Weyer auf dem Programm (20:00 Uhr) und am zweiten Oktavsonntag wird die großherzogliche Militärkapelle um eine musikalische Einlage vor dem Gnadenbild darbieten (14:30 Uhr). Auch hier bitten die Verantwortlichen um eine telefonische Anmeldung.

Um die Verbindung zu den Menschen in den Alten- und Pflegeheimen  sowie den Behinderteneinrichtungen bewusst zu stärken, wurde eine spezielle Oktavkarte mit einem ausklappbaren Bildmotiv der Statue der Trösterin in fünftausendfacher Ausführung angefertigt. Auf dem  Postweg soll die Trösterin so zu den Menschen gelangen, die aus Krankheits- und Altersgründen in diesem Jahr nicht zu Maria pilgern können. Neben diesen Zielgruppen werden auch die Kinder eigens angesprochen. „Maria, ech hunn dech gär” ist eine Aktion durch die sie aufgefordert werden, ihre Liebe zur Trösterin zu bekunden. Weitere Informationen dazu finden sie auf oktav.lu.

Ein Novum

Die Wallfahrt steht in diesem Jahr unter der Überschrift: „Op eemol war alles anescht…!” Ein Novum in der Geschichte der Oktave ist, dass Kardinal Jean-Claude Hollerich erstmals eine Frau mit den Andachtspredigten beauftragt hat. Frau Milly Hellers ist Pastoralreferentin in der Pfarrei Kordall Sainte-Barbe sowie Dekanatsassistentin im Dekanat Süden-West. Diese Entscheidung ist ein Hoffnungszeichen für die Lokalkirche, zumal der Predigtdienst durch Laien und damit auch von Frauen, außerhalb der Eucharistiefeier dem Kirchenrecht nach erlaubt ist (can.766 CIC).  Wie es das Thema bereits suggeriert, wird in diesem Jahr demnach vieles anders sein. Weitere Initiativen im Rahmen des Oktavprogramms findet man auf oktav.lu, darunter auch eine interreligiöse Online-Talkrunde am Mittwoch, dem 28. April, um 19:30 Uhr zum Thema „Gelingendes Leben in Pandemiezeiten” mit Vertretern der großen Weltreligionen, ein Angebot von Exerzitien auf der Straße, ein virtuelles Bücherzelt sowie ein Rundtischgespräch zum Oktavthema „Plötzlich war alles anders…!” u.a.m..

Wenn wir in die Geschichte unserer Luxemburger Marienverehrung blicken, stellen wir fest, dass die Menschen in schweren Zeiten immer wieder Trost und Hoffnung bei der Gottesmutter schöpften. So soll die Oktave 2021, wenn auch unter restriktiven Bedingungen, zu einer Stärkung im Glauben und einer treuen Bekundung zur Trösterin werden.

Renée Schmit
Präsidentin der diözesanen Oktavkommission

     

     

     

           

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